Der Vorteil als Freelancer ist ja, dass man sich in seiner freien Zeit um kleine Nebenprojekte kümmern kann, bei denen niemand reinredet. So habe ich letztes Jahr die “Züribox” ins Leben gerufen (und wieder sterben lassen, mehr dazu dann später in einem weiteren Blog-Post) und im Juni in einer Nacht und Nebelaktion den “Likeometer” ins Leben gerufen. Und das kam so:

Als ich letzten Sommer mit einer Freundin in einem Café in Zürich sass, stoppte ein Bekannter von mir an unserem Tisch – etwas Small Talk, “Wie gehts” und so. Und dass er gleich wieder weiter müsse, er habe wegen seinem Instagram in letzter Zeit so viel um die Ohren – Fotoshootings und so. Ich erinnerte mich, dass er sich erst kürzlich auf Instagram angemeldet hatte und kurz darauf bereits über 40’000 Follower hatte. Eine für Schweizer Verhältnisse doch ziemlich beachtliche Zahl.

Wie macht er das? Wie machen andere das?

Immer wieder ist mir auf meinem privaten Instagram-Account aufgefallen, dass mir irgendwelche Profile mit über 10’000 Followern folgen – ohne je ein Bild von mir geliket zu haben. Dank “Unfollow Finder”-Apps, die es im AppStore wie Sand am Meer gibt, habe ich dann gesehen, dass genau diese Profile mir meistens nach ein paar Tagen wieder entfolgen.

Unfollow-Bots sind die Pest

Natürlich haben diese Profile nie mein Instagram-Account angeschaut, geschweige denn persönlich auf “Folgen” getippt. Sogenannte “Follow/Unfollow”-Bots sind hier am Werk, die im grossen Stil irgendwelchen Profilen folgen und wieder entfolgen. Mit einem Ziel: Aufmerksamkeit erzeugen, in der Hoffnung, dass ein paar Profile zurückfolgen. So sammeln diese Bots innert kurzer Zeit tausende neue Follower ein – und diese wissen meistens nicht, dass sie ein paar Tage später wieder klammheimlich “entfolgt” werden.

Mir selber entfolgen rund 10 Profile pro Tag, ich weiss inzwischen bereits wenn mir ein Profil anfängt zu folgen, dass es kurze Zeit später wieder entfolgt. Oft haben diese Profile eine beachtliche Anzahl Follower. Das Problem: Grosse Accounts gewinnen so immer mehr Follower dazu, während “normalsterbliche” Accounts inzwischen nur noch von solchen Bots belagert werden und ständig Follower verlieren. Das Verhältnis stimmt einfach nicht mehr, es sind inzwischen zu viele Bots am Werk.

Als Programmierer, der vor allem Applikationen im Bereich Analytics entwickelt, juckte es mich ein bisschen. Denn solche “automatisierten” Aktivitäten auf einem Instagram-Profil festzustellen, ist relativ einfach. Natürlich könnte ich auch von Hand sämtliche Profile regelmässig überprüfen, wie sich die Follower- und “Abonniert”-Zahlen verändern, das wäre aber ziemlich mühsam.

Also habe ich im Juli 2017 kurzerhand ein paar Domains registriert, quick & dirty ein “Design” gebastelt und eine Art Top-Liste der grössten Instagram-Accounts der Schweiz, Deutschland (und neu auch Österreich) zusammengestellt. Zwar gibt es mit Socialblade bereits ähnliche Dienste, diese überprüfen aber die Instagram-Profile nur einmal täglich (bei Likeometer prüfen rund 30 “Bots” die Profile mindestens alle 60 Minuten).

Will heissen: Wer auf Socialblade ein Instagram-Profil überprüft, sieht die Follower-Veränderung nur von Tag zu Tag. Kauft jemand über den Tag verteilt ein paar mal 50 neue Follower – und das regelmässig – fällt es nicht auf.

Ein paar Beispiele

Da Likeometer nun stündlich bei den Profilen diese Zahlen abgreift, ist eine viel genauere Analyse möglich. Nachfolgende ein paar Beispiele.

Anhand dieser Grafik sieht man schön, dass dieser Influencer täglich rund 200 Follower kauft, meistens regelmässig um 10 oder 11 Uhr morgens. Und das geht nicht nur seit 14 Tagen so, sondern schon fast über 6 Monate:

Stand 28. Juli 2017: 122’872 Follower (Stand 11. Januar 2018: 146’246 Follower). Interessant ist auch zu sehen, dass nach einem “Follower-Kauf” die Kurve gleich wieder nach unten zeigt: Dies, weil Instagram laufend Fake-Accounts löscht und auch viele “gekaufte” Profile oft nur für ein paar Tage folgen, dann aber ebenfalls wieder entfolgen. Will heissen: Wer Follower kauft, muss ständig für Nachschub sorgen. Ein Teufelskreis, der mit der Zeit ins Geld gehen dürfte.

Es gibt auch noch deutlich krassere Beispiele: 22’000 “neue” Follower dürften rund 180 Euro kosten, hindert aber einige nicht daran, ihr Instagram-Profil aufzustocken. Die Veränderung von 125’000 auf 147’000 Follower hat hier innerhalb von einer Stunde (!) stattgefunden – schlicht unmöglich, und selbst wenn diese Userin in der Hauptausgabe der Tagesschau erwähnt worden wäre.

Die Tricks der Influencer
Sie sind Statussymbol und Geschäftsmodell: Likes auf Social Media. Entsprechend oft wird getrickst. Teilweise ziemlich dreist.

Auch bei diesem Profil sieht man kurz nach dem Follower-Kauf bereits wieder den Abwärtstrend in der Kurve der Follower – in ein paar Wochen muss hier wohl wieder nachgekauft werden, um die hohe Zahl von 147’000 Followern zu halten.

Kleine Randnotiz: Nicht immer ist ein “Ausschlag” in den Statistiken ein Anzeichen für Follower-Kauf. Einige User werden von Instagram gefeatured, was zu Tausenden neuen Followern führen kann oder sie werden auf einem Profil mit hoher Reichweite reposted. Wenn die Ausschläge aber regelmässig sind, sollte man genauer hinsehen.

Follower kaufen ist so 2016

Nun, wer heutzutage noch Follower kauft, ist eigentlich schon wieder von gestern. Macht eigentlich keiner mehr. Viel zu auffällig und vor allem nicht nachhaltig.

Und hier kommen die Unfollow/Follow-Bots ins Spiel. Wenn sich nämlich die “Abonniert”-Zahl auf einem Profil ständig verändert, deutet dies entweder auf einen sehr aktiven Instagram-User hin oder eben ein Bot: Der folgt und entfolgt ständig irgendwelchen Profilen. Natürlich haben wir alle mal an einem Abend unser Instagram “aufgeräumt”, alte Profile aus der Liste gelöscht oder Accounts rausgeworfen, die uns nerven. Wenn aber ein Profil Tag und Nacht ständig irgendwelchen Profilen folgt und entfolgt, ist ein Bot im Spiel. Und das sieht dann auf Likeometer so aus:

(Das entsprechende Profil habe ich um eine Stellungnahme gebeten, leider habe ich aber keine Antwort erhalten).

Warum “Abonniert” so interessant ist

Es gab ja durchaus Fälle in der Schweiz, als jemand ein paar grossen Profilen 5’000 Follower “geschenkt” hat. Jeder kann jedem Follower kaufen, dazu braucht man nicht mal das Passwort des Opfers. Eine bösartige Aktion, um die Statistik von Influencern zu verfälschen. Diese müssten dann sämtliche Follower wieder von Hand rauslöschen, um ihr Profil sauber zu halten. Eine mühsame, langwierige Aktion. (Wer Opfer einer solcher “Attacke” wird, einfach das Profil sofort auf “Privat” stellen, um die Follower-Schwemme abzuschmettern).

Viel spannender aber als die Follower-Zahl ist der Wert “Abonniert”, also wie vielen Profilen ein Account selber folgt. Denn diese Zahl kann niemand anders beeinflussen als der Profil-Inhaber/in selbst. Die neuen Follower, die auf diese Art und Weise zwar “angelockt” werden sind durchaus echt, aber fair ist diese Methode nicht. Ehrliche User müssen sich ihre Reichweite viel härter erkämpfen als solche, die mit Bots nachhelfen.

Das Baby hat die Follower gekauft

Eine weitere Userin, die ich per Mail angefragt habe, wie sich sich diese Zahlen erklären kann, meinte dann noch, ob ich hier die Instagram-Polizei bin und nichts besseres zu tun hätte. Ich möchte hiermit klarstellen: Nein, natürlich bin ich nicht die Instagram-Polizei. Ich möchte auch nicht irgendwelche Leute an den Pranger stellen. Ich schätze rund 90% der Profile, die bei Likeometer analysiert werden, arbeiten ehrlich, mit viel Zeitaufwand und Herzblut am Aufbau einer ehrlichen Community und Followerschaft. Damit das hier mal gesagt ist. Genau diese Profile sollen dank Likeometer eine Art “Leistungsausweis” bekommen; wer ehrlich auf Instagram agiert, hat bei seinem nächsten Auftrag für eine Firma/Agentur eine starke Statistik in der Hand. Schwarz auf weiss.

Ich erhalte grundsätzlich nur positives Feedback – sei es von “ehrlichen” Influencern, Agenturen und Firmen. Negative Rückmeldungen gibt es auch, meistens handelt es sich dabei halt um Profile, die dank Likeometer “ertappt” wurden. Die Ausreden und Rechtfertigungen sind dann meistens sehr kreativ, auch hat mal ein Baby für Mama versehentlich ein paar Follower “gekauft”.

Die Follower-Zahl ist nicht so wichtig

Auch wird oft das Argument gebracht, dass die reine Follower-Anzahl sowieso nichts aussagt. Stimmt: Darum kann man bei Likeometer ja auch nach Engagement und Interaktionen sortieren. Einfach in der Suchbox anklicken, und das Ranking sortiert sich neu.

Ich finde, wer sein Geld mit Instagram verdient und sich von Firmen und Agenturen für gutes Geld bezahlen lässt, sollte eine ehrliche Statistik ausweisen können. Wer seiner Reichweite mit dubiosen Bots und anderen Hilfsmittelchen auf die Sprünge hilft, um Firmen mehr Geld aus der Tasche zu locken, begeht meiner Meinung nach schlicht Betrug. Denn die Firmen erhalten nicht das, was sie erwarten: Echte Reichweite mit echten Usern, die nicht gekauft oder dubiosen Methoden zu Followern wurden.

Diese Bots machen Instagram kaputt – und vor allem die Influencer-Branche an sich. Die Fake-Influencer schaden also eigentlich sich selbst. Denn früher oder später sind es Firmen leid, Geld ins Influencer-Marketing zu stecken.

Und liebe Firmen und Agenturen, wie mein Titel im Blog-Post schon sagt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Sie dürfen sonst gerne auch bei mir nachfragen, falls weitere Fragen  zu diesem Thema im Raum stehen. Ein paar weiterführende Informationen zum Likeometer gibt es auch hier.

Werde übrigens bald wieder darüber schreiben – nach jahrelanger Pause werde ich in Zukunft wieder etwas bloggen. War jetzt vielleicht noch etwas holprig geschrieben, muss wieder etwas in den Flow kommen 🙂 Folgt mir auf Twitter, falls ihr den nächsten Blog-Beitrag nicht verpassen wollt.

Bonus: Chloe Morello (über 1 Mio. Follower auf Instagram) beschreibt das ganze eigentlich ganz gut. “Wer sind eigentlich all diese Mädels, die auf einmal aus dem nichts auftauchen und mir die Jobs wegschnappen?” – einfach direkt zu 04:25 springen, wer ungeduldig ist.

Mehr zum Thema gibts hier:

Die Tricks der Influencer
Sie sind Statussymbol und Geschäftsmodell: Likes auf Social Media. Entsprechend oft wird getrickst. Teilweise ziemlich dreist.